Nelly Sachs

Nelly Sachs (1891-1970) wollte als Person hinter ihrer Dichtung verschwinden, weil sie nicht durch biografische Details von ihrem ganz der Shoah und ihren Opfern gewidmeten Werk ablenken wollte. Sie verweigerte sich allen Versuchen, ihren Lebensweg im Einzelnen nachzuzeichnen. So kommt es, dass die erste deutschsprachige Literaturnobelpreisträgerin zugleich bekannt und unbekannt ist. 

Mit einem der letzten Flugzeuge entkam sie im Mai 1940 gemeinsam mit ihrer Mutter dank der Hilfe der weltberühmten schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf aus Berlin nach Schweden. Die aus einer gebildeten Familie des jüdischen Bürgertums stammende Dichterin entging buchstäblich in letzter Minute der Deportation durch die Nationalsozialisten. 

Trotz der bedrückend ärmlichen Verhältnisse, in denen die beiden Frauen in Stockholm lebten, war die psychisch labile Nelly Sachs auch im Exil außerordentlich produktiv. Ihre Gedichtzyklen und szenischen Dichtungen wurden allerdings erst in den 1960er Jahren in der Bundesrepublik wahrgenommen und nun auch vielfach ausgezeichnet. Dass sie anders als Millionen andere Menschen jüdischer Herkunft dem Holocaust entkommen war, stürzte sie in schwere psychosomatische Krisen, die zu Zusammenbrüchen, einer zeitweisen Entmündigung und Behandlungen mit Elektroschocks führten.

Als sie 1970 im Alter von 78 Jahren – als Dichterin international hoch angesehen – starb, hinterließ sie ein umfangreiches und einzigartiges lyrisches Werk.