Ernst Cassirers Hamburger Jahre 1919 bis 1933

„So muss ich fortan das Band als gelöst ansehen.“ Ernst Cassirers Hamburger Jahre 1919 bis 1933

Unter diesem Titel schildert Susanne Wittek zentrale vierzehn Lebensjahre des Philosophen Ernst Cassirer, der als einer der bedeutendsten Gelehrten gilt, die jemals in Hamburg lehrten und forschten. Von 1919 bis 1933 gehörte er als Inhaber des Lehrstuhls für Philosophie an der gerade gegründeten Hamburgischen Universität zu den prägenden Persönlichkeiten im Wissenschafts- und Kulturleben der Hansestadt. Hier war er 1929/30 der einzige Rektor jüdischen Glaubens an einer deutschen Hochschule zur Zeit der Weimarer Republik.

In engem Kontakt mit der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg schuf er in Hamburg einige seiner wichtigsten philosophischen Werke, darunter die Philosophie der symbolischen Formen. Zugleich gab er in seinen Hamburger Jahren, die auch Anfang und Ende der Weimarer Republik markieren, der jungen deutschen Demokratie mit den ihm eigenen Mitteln Flankenschutz. Davon legen insbesondere seine berühmten Reden zur Feier der Weimarer Verfassung, in denen er den politischen Diskurs geistesgeschichtlich zu fundieren suchte, eindrücklich Zeugnis ab. Doch jenseits seiner Äußerungen in repräsentativem Rahmen mischte er sich auch in tagesaktuelle politische Geschehnisse und gesellschaftspolitische Kontroversen von großer Tragweite ein.

Angesichts antisemitischer Ausgrenzung verließ er im März 1933 gemeinsam mit seiner Frau das nationalsozialistische Deutschland. Wenig später bat er die Hamburger Hochschulbehörde um Enthebung von seinen akademischen Ämtern und ging ins Exil, das ihn über Großbritannien und Schweden bis in die USA führte.

Eine Publikation der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung, herausgegeben von Ekkehard Nümann. Das Buch erscheint im Oktober 2019 im Wallstein Verlag, Göttingen.