Alfred Kantorowicz

Alfred Kantorowicz (1899-1979), als Jude und Kommunist von den Nazis verfolgt, ging 1933 von Berlin aus ins Pariser Exil. Dort engagierte er sich bei der Gründung des „Schutzverbandes deutscher Schriftsteller im Ausland“ und wurde dessen Generalsekretär. Ebenfalls in Paris gründete er die „Deutsche Freiheitsbibliothek“, in der alle Bücher gesammelt wurden, die die Nazis verboten und verbrannten.

1938 schloss er sich den Internationalen Brigaden an, die im spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republikaner gegen Franco kämpften. Er kehrte nach Frankreich zurück und wurde dort nach dem Angriff der deutschen Truppen im Jahr 1940 als „feindlicher Ausländer“ interniert. Vom Lager Les Milles aus erlebte er gemeinsam mit Lion Feuchtwanger, Max Ernst, Henry Gowa und anderen Künstlern und Intellektuellen die Schreckensfahrt des berüchtigten „Gespensterzuges“.

Schließlich konnte er gemeinsam mit seiner ersten Frau nach New York entkommen. Beim Rundfunksender CBS wurde er damit betraut, die „Feindsender“ abzuhören und auszuwerten.

Bald nach Kriegsende verließ er die USA und ging in die DDR. Er arbeitete dort als Publizist, Verleger und Professor für neue deutsche Literatur und genoss als Herausgeber der Werke Heinrich Manns und als einer der Begründer der Exilliteratur-Forschung hohes Ansehen. Nach der Niederschlagung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 in der DDR und der Niederschlagung des Ungarnaufstandes im November 1956 durch die Rote Armee geriet er zunehmend in Konflikt mit der DDR-Führung.

1957 floh er in die Bundesrepublik. Da er bis dahin als einer der führenden Intellektuellen der DDR gegolten hatte, erregte seine Abkehr internationales Aufsehen. Alfred Kantorowicz – von rechts und links vielfach politisch diffamiert – hielt immer an der Utopie des Sozialismus fest und blieb auch in der Bundesrepublik ein Außenseiter. Die letzten 16 Jahre seines Lebens verbrachte er gemeinsam mit seiner dritten Frau, Professor Ingrid Kantorowicz, in Hamburg. Hier starb er am 27. März 1979.