Jean Weidt

Jean (Hans) Weidt gehörte zu den Pionieren des Ausdruckstanzes und war einer der wichtigsten Protagonisten des politischen Theaters der Weimarer Republik.

Er kam 1904 in Hamburg als Kind von Arbeitern zur Welt und wuchs in großer materieller Armut auf. Seine Laufbahn als Tänzer und Choreograf begann er in Hamburg. Von 1925 bis 1928 trat er mit seiner Gruppe in den Kammerspielen, im Curio-Haus und in der Staatsoper auf (damals noch Stadttheater Hamburg). Ab 1929 arbeitete er in Berlin, u. a. mit Erwin Piscator. In seinen Choreografien suchte er nach Wegen, das Leben von Arbeitern, Soldaten und alten Menschen tänzerisch darzustellen.

Jean Weidt war Mitglied der KPD und wurde von den Nazis verhaftet, unter anderem, da er in seinem Stück «Potsdam» Hitler und seine Helfershelfer demaskiert hatte. Wie er in seiner Autobiografie «Jean Weidt. Auf der großen Straße» berichtet, kam er jedoch dank der Fürsprache von Karl-Heinz Martin, Theater- und Filmregisseur in Berlin, wieder frei. Anders als neue Publikationen zum Thema aus dem Jahr 2010 angeben, war es also nicht Gustaf Gründgens, der Jean Weidts Freilassung erreichte.

Noch 1933 gelang Weidt die Flucht nach Frankreich. Mit seinen in Paris gegründeten Compagnien gehörte er zu den führenden Choreografen der modernen französischen Tanz-Szene. Nach dem Angriff der deutschen Truppen auf Frankreich wurde er als so genannter feindlicher Ausländer in Frankreich und später in Algerien interniert. Nach Kriegsende kehrte er nach Paris zurück und erlebte hier eine künstlerisch außerordentlich fruchtbare Zeit. Zu seinen «Ballets des Arts» gehörten auch Francoise und Dominique Dupuy.

1948 remigrierte Weidt nach Ost-Berlin. Bis zu seinem Tod im Jahr 1988 arbeitete er in der DDR als Choreograf.